Mirrors Edge

  • Mit Mirror's Edge Catalyst startet DICE einen zweiten Versuch, ihr dystopisches Action-Adventure rund um Runnerin Faith ins Rennen zu schicken. Warum es dabei öfter stolpert, aber immerhin nocht fällt, erfahrt ihr in meinem Review.
    Erst vor ein paar Wochen habe ich nach der Closed Beta euphorisch darüber geschwärmt, warum es ein Fehler wäre, Mirror's Edge Catalyst zu verpassen.
    Für mein Review bin ich mit Faith quer durch die komplette Stadt aus Glas gerannt, um mir ein Bild vom neuesten Spiel von DICE zu machen. Und auch wenn ich bei meiner Aussage bleibe, dass ihr einen Blick auf das neueste Mirror's Edge werfen solltet, fällt mein endgültiges Urteil weit weniger begeistert aus, als ich nach der Beta erhofft hatte.
    Weder richtiger Nachfolger, noch richtiges Reboot ist Mirror's Edge Catalyst vielmehr der zweite Versuch, das spannende Konzept von Mirror's Edge noch einmal umzusetzen, zu erweitern und die Fehler, die das Original begangen hat, dabei auszumerzen. Das mag dem Action-Adventure in mancher Hinsicht gelingen, dafür kämpft es mit neuen, eigenen Problemen, die dem Spielspaß einen ordentlichen Dämpfer verpassen.


    Mirror's Edge Catalyst lässt euch in die Laufschuhe der Runnerin Faith schlüpfen, die nach zwei Jahren im Gefängnis wieder auf den Straßen – oder vielmehr den Häuserdächern – Cascadias unterwegs ist.
    Noch immer alles andere als rehabilitiert, hat es ihre Zeit im Jugendknast nicht geschafft, sie von ihren Überzeugungen oder illegalen Tendenzen zu befreien. Stattdessen schließt sie sich erneut den Runnern unter ihrem Ziehvater Noah an, bei denen sie aufgewachsen ist, um sich gegen die Unterdrückung durch das Conglomerate zu wehren und illegale Aufträge anzunehmen, die sie durch die ganze Stadt schicken.



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    © Electronic Arts
    Trotz seines hellen, durchgestylten Äußeren ist Mirror's Edge Catalyst ein düsterer, dystopischer Thriller, in dessen Zentrum gierige Konzerne mit finsteren Plänen stehen. Was für Faith als normale Mission beginnt, die ihr helfen soll, sich von alten Schulden zu befreien, wirft sie kurzerhand in eine dunkle Verschwörung, die das Leben aller Bewohner Cascadias für immer zu verändern droht.
    Die Handlung des Titels folgt Genre-Konventionen, schafft es aber, sich vor allem durch das minimalistisch-helle und futuristische Design und Gameplay von anderen Genrevertretern abzuheben. Mirror's Edge Catalyst ist eine Mischung aus Action-Adventure, Jump & Run und Rennspiel, bei der sich alles um Geschwindigkeit dreht. Faiths Körper ist hierbei eure größte Waffe und einziges Werkzeug, denn um ihre Bewegungen herum ist das komplette Gameplay aufgebaut. Catalyst ist ein einziger Parcours über den Häuserdächern der Stadt, der nicht einmal für Kämpfe unterbrochen wird. Im Gegenteil, sogar sie werden ein Teil von ihm, wenn ihr Faiths Momentum verwendet, um Gegner auszuschalten.
    Als Gegenspielerin des Conglomerate haben es viele Sicherheitskräfte von KrugerSec auf Faith abgesehen. Anders als in den meisten anderen Spielen steht euch allerdings keine breite Auswahl an Waffen zur Verfügung, um euch gegen sie zu wehren. Lediglich Faiths Nahkampfkünste können euch aus der Patsche helfen – falls ihr nicht einfach weglauft, denn auch das ist in vielen Situationen möglich.



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    Anders als noch in Mirror's Edge habt ihr somit auch nicht die Möglichkeit, die Waffen gefallener Feinde aufzuheben und gegen ihre Kollegen zu richten. Aus diesem Grund haben auch nur die wenigsten K-Sec-Mitarbeiter klassische Waffen. Lediglich einer von ihnen, der Enforcer, hat eine Art Schusswaffe und ist der einzige Feind, der aus der Ferne gefährlich werden kann – trotzdem leicht auszuschalten, ebenso wie seine Kollegen. Kämpfe in Mirror's Edge Catalyst sind keine große Herausforderung. Nur ein einziges Mal kam ich wirklich ins Schwitzen, und zwar als ich mich mit mehreren Gegnerwellen und einem sich nicht automatisch aufladbaren Energiebalken konfrontiert sah. Aber auch diese Stelle war recht schnell erledigt und stellt gerade dann keine größere Herausforderung dar, wenn ihr eure Upgrade Points richtig verteilt.
    Upgrade Points erhaltet ihr durch das Verdienen von Experience Points, die ihr wiederum durch das Beenden von Haupt- oder Nebenmissionen und (so unaufdringlichen wie sinnlosen) Sammelquests verdient. UPs können in drei Kategorien eingelöst werden: Bewegung, Kampf oder Ausrüstung. Auf den ersten Blick sind es oft nur kleine Veränderungen, die ihr freischalten könnt. Sie bringen aber neue Feinheiten in Faiths Bewegungen, die sie noch schneller und flüssiger machen. Im Fall von Ausrüstung ist vor allem euer MAG Rope gemeint, das mehr als nur ein wenig an Batmans Grappling Hook aus den Arkham-Spielen erinnert und euch schnell größere Distanzen zurücklegen lässt – leider nur an bestimmten Stellen, was den Sinn des Gadgets ein wenig in Frage stellt.



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    Allerdings zeigt es gleichzeitig ein großes Problem von Mirror's Edge Catalyst auf: die Eingeschränktheit seiner offenen Welt. Anders als sein Vorgänger hat Catalyst eine Open World über die Dächer Cascadias gespannt, leider fühlt sie sich alles andere als offen an. Der Minimalismus, der mich noch während meines ersten Ausflugs in der Beta so beeindruckt hat, verliert im kompletten Spiel schnell an Reiz, wenn das Gefühl aufkommt, ständig an denselben Stellen dieselben Dinge zu tun. Selbst wenn ihr die hilfreiche Runner Vision (ein roter Faden, der euch den richtigen Weg zeigt) ausschaltet, werdet ihr über kurz oder lang dazu tendieren, immer wieder dieselben Wege über die Dächer zu nehmen oder gar die Kurzreise zu wählen, weil die sterile Welt einfach nicht genug zum Entdecken bietet.
    Neben Kämpfen und Rennen gibt es außerdem noch Puzzles in Mirror's Edge Catalyst. Sie als solche zu bezeichnen, ist allerdings schon mehr als großzügig. Es ist keine große Herausforderung, Plakatwände zu erklimmen und zu hacken, ebenso wenig wie die Grid Nodes, die im Prinzip nichts anderes als hohe Räume voller Laser sind, denen ihr auf dem Weg nach oben ausweichen müsst. Die meisten Quests bestehen aus "Liefere Z in Zeit X von A nach B" und werden euch von lieblosen Questgebern für ein paar XP angedreht. Dabei fällt es schwer nicht zu hinterfragen, warum dieselbe Person mehrere Stunden auf demselben Hausdach steht und auf euch wartet, dann aber ein Problem damit hat, wenn ihr eine Sekunde zu langsam wart, um ein bestimmtes Gewürz quer durch die Stadt zu tragen...


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    Mirror's Edge Catalyst ist an vielen Stellen leider sehr lieblos gestaltet, was sich nicht nur im Questdesign zeigt, sondern auch in den vielen Problemen, mit denen ich in der Pre-Release-Version zu kämpfen hatte. Glitches und Bugs zwangen mich mehrmals zum Neustart von bestimmten Missionen, Balancingprobleme ließen Faiths Sprünge gern zu einem Zufallsereignis werden, Cutscenes litten unter Framerate-Drops und aussetzendem Ton. Und auch Texturen wollten nicht immer so schnell wie der Rest des Spiels. Obwohl die Stadt aus Glas auf den Häuserdächern sehr leer war, sahen die sich NPCs, denen ich begegnet bin, alle verteufelt ähnlich – und noch dazu sahen sie aus, als wären sie einem Spiel entsprungen, das zum Release der PS4 veröffentlicht wurde, nicht wie ein aktueller Frostbite-Titel. Der Fokus des Entwicklerteams lag eindeutig auf der durchaus beeindruckend aussehenden Stadt aus Glas und den paar wichtigen Figuren, weshalb alle anderen zu einem enttäuschenden Nachgedanken wurden.
    Ein weiteres Problem waren für mich die Sprachausgabe und die Entscheidung, wie die Geschichte erzählt wird. Man kann sich darüber streiten, ob wir im Jahr 2016 tatsächlich noch Audiologs als Expositionshammer in Spielen unterbringen müssen, viel problematischer fand ich allerdings die Entscheidung, relativ wenige Cutscenes einzubauen und stattdessen für das Vorankommen der Geschichte auf Kommunikation via Headset zu setzen. Der kratzige Unterton, den Gesprächspartner dadurch bekamen, machte es schwer, der Handlung zu folgen – vor allem, da ihr konstant in Bewegung seid und nicht jedes Mal anhalten könnt, um Untertitel zu lesen. So hatte ich konstant das Gefühl, irgendetwas von der Handlung zu verpassen.

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